Die wundersame Welt des Marketings
Werber und Marketing-Manager haben ein seltsames Hobby: sich in das eigene Knie zu schießen. Regelmäßig.
Werbung und Marketing haben bereits Print, TV und Internet kaputt gekriegt. Und sie arbeiten mit Hochdruck daran, das bei den sozialen Medien zu wiederholen.
Denn Menschen mögen nur bedingt Werbung. Etwa im linearen Fernsehen. Kaum beginnt der Werbeblock, rennen die Zuschauer aufs WC. Egal, wie toll die aus Sicht der Werber ist.
Die Folge: Firmen buchen noch mehr Werbung. Und noch mehr. Das Ergebnis: Millionen Menschen sind zu den Streaming-Diensten geflüchtet. Teuer, aber werbefrei. Eine Wohltat.
Ein anderer Prozess bei den Print-Medien. Früher haben Anzeigen den größten Teil der Zeitungen und Magazine finanziert.
Dann kann das Internet – und Werber buchten Bannerwerbung. Der TKP war halt niedriger. Doch sie buchten immer mehr davon, in immer abenteuerlichen Formaten. Bis Menschen anfingen, sich zu wehren.
Heute surft mindestens jeder Vierte mit Werbeblocker. Und wer es einmal getan hat, weiß: Das Internet könnte so ein angenehmer Ort sein.
Inzwischen knüpfen sich die Werber die sozialen Medien vor. Beispiel LinkedIn. Das war mal eine Plattform für einen Austausch von Menschen über (im weitesten Sinne) berufsbezogene Inhalte. Heute haben es die Werbe und Selbstdarsteller gekapert. Und verstopfen die Feeds aller, die sich nicht zu wehren wissen.
Denn auch hier gilt: Es muss auch der letzte Nutzer erfahren, wie toll und unglaublich Produkt X ist – und mit welcher Strategie sich Y Euro auf LinkedIn verdienen lassen. Getreu dem Motto: mehr, mehr und noch mehr.
Die KI ist dabei der Geist aus der Flasche: Einmal heraus, ist er nicht wieder einzufangen. KI macht die Produktion von sinnbefreiten, aber mit vielen Bulletpoints gespickten Posts so billig, dass praktisch jeder der will, täglich drei Posts veröffentlichen kann.
Ein Ende ist nicht in Sicht. Auch, weil den Betreibern der jeweiligen Plattform der nächste Quartalsbericht näher ist, als die langfristige Stabilität. Schade.
Was ist der Ausweg? Vielleicht weniger Werbung. Vielleicht andere Werbung. Auf jeden Fall aber Marketing-Profis, die die Empfänger ihrer Botschafen wieder wertschätzen.
Darum gilt jetzt: KAUFT MICH! BUCHT MICH! ICH BIN TOLL!